Warren Buffett vs. Moderne Portfoliotheorie (Teil I)

Warren Buffetts Ansichten zum Risiko beim Kauf einer Aktie, zur Diversifizierung eines Investmentportfolios und zur Markteffizienz stehen der Modernen Portfoliotheorie diametral entgegen.

Risiko beim Kauf einer Aktie
Nach der Definition der Modernen Portfoliotheorie lässt sich das Risiko einer Aktie anhand von Kursschwankungen erkennen. Schwankt der Aktienkurs innerhalb einer geringeren Breite, wird die Anlage als weniger riskant eingestuft. Je höher jedoch die Schwankung innerhalb der Bandbreite ist, desto riskanter wird die Anlage eingeschätzt.

Risikoberechnung nach der Modernen Portfoliotheorie
Nach Henry Markowitz gilt als Messgröße für das Risiko die Standardabweichung. Diese Messgröße nannte Bill Sharpe Beta-Faktor. Mit dem Beta-Faktor wird demnach die Kursbewegung zwischen dem Gesamtmarkt und der einzelnen Aktie gemessen. So wird einer Aktie, deren Kursverlauf genau mit dem Markt übereinstimmt, ein Beta von 1,0 zugewiesen. Steigt oder fällt die Aktie doppelt so stark wie der Markt, dann beträgt ihr Beta 2,0. Nach dieser Theorie ist ein Portfolio mit einem Beta größer als 1,0 riskanter und mit einem Beta kleiner als 1,0 weniger riskant.

Warren Buffett definiert das Risiko anders
Warren Buffett definiert das Risiko völlig anders. Ein Rückgang der Aktienkurse mindert in seinen Augen das Risiko. Einen Rückgang der Aktienkurse betrachtet er sogar als Chance. Seine Aussage lautet ganz einfach: Wenn man einen Dollar für 60 Cent kauft, ist es riskanter als wenn man einen Dollar für 40 Cent kauft.

Das Risiko liegt in der Fehleinschätzung des inneren Werts
Das Risiko hängt nicht vom Kursverhalten der Aktien ab, sondern liegt in einer Fehleinschätzung des inneren Werts der Aktie.

Nehmen wir als Beispiel seinen Kauf von Washington Post-Aktien 1974. Den Wert des Unternehmens schätzte er damals auf ungefähr 400 Mio US$.

„Wir kauften die Washington Post Company 1974 bei einer Börsenkapitalisierung von 80 Mio US$. … Vertraut man dem Beta-Faktor und der Modernen Portfoliotheorie, wären wir ein größeres Risiko eingegangen, wenn wir die Aktien bei 40 anstatt bei 80 Mio US$ gekauft hätten, selbst wenn die Firma 400 Mio US$ wert war – bloß weil die Volatilität größer gewesen wäre. Das leuchtet mir beim besten Willen nicht ein.“

Das Risiko für ein Portfolio wird an der Nachsteuerrendite gemessen
Das tatsächliche Risiko für ein Portfolio besteht darin, dass die Nachsteuerrendite der Gesamtanlage nicht mindestens so viel Kaufkraft sichert wie zu Beginn – zuzüglich einer kleinen Verzinsung des ursprünglich eingesetzten Kapitals.

Über die Börsenfrau

Als Initiatorin des Projekts möchte ich mich vorstellen: Mein Name ist Gertraud Pourheidari. Von Beruf bin ich Übersetzerin. Mit Aktien hatte ich zunächst wenig zu tun. Nur im Alter von 18 Jahren streifte mich das Thema kurzzeitig; doch leider liess ich es mir viel zu leicht ausreden, denn schliesslich war das damals "für Frauen kein Beschäftigungsfeld". 1996 kaufte ich meine ersten Aktien. Ich erlebte die Euphorie während der Technologiehausse und den anschliessenden tiefen Absturz des Neuen Marktes - Schlüsselerlebnisse, die Fragen und Nachforschungen nach sich zogen. So tauchte ich tiefer in die faszinierende Welt der Kapitalanlage ein. Heute berate ich das Rohstoff-Strategiedepot des Stuttgarter 0711-Aktienclubs , erstelle Unternehmensanalysen und konzipiere Börsenpublikationen zum Thema Kapitalanlage für Die Aktien-Analyse und Strategisches Investieren. Das Handwerkszeug habe ich mir in Seminaren, amerikanischen Online-Workshops und autodidaktisch angeeignet. In der Unternehmensanalyse erhielt ich meine praktische Ausbildung von Gelfarth & Dröge Research, Hattingen. Journalistische und publizistische Kenntnisse erwarb ich über die Zusammenarbeit mit dem Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, Bonn. Gertraud Pourheidari
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