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Die Schlange sticht nicht ungereizt…
DRS von heute aus Friedrich Schillers Wilhem Tell zum 205. Jubiläum
Wow, das trifft den Zeitgeist: Duckmäuserei, für die auch Wilhelm Tell zunächst plädiert, bis er letztendlich eines besseren belehrt wird.
Und hier der Auszug aus dem Drama:
Tell: Die einz’ge Tat ist jetzt Geduld und Schweigen.
Stauffacher: Soll man ertragen, was unleidlich ist?
Tell: Die schnellen Herrscher sind’s, die kurz regieren.
- Wenn sich der Föhn erhebt aus seinen Schlünden,
Löscht man die Feuer aus, die Schiffe suchen
Eilends den Hafen, und der mächt’ge Geist
Geht ohne Schaden, spurlos, über die Erde.
Ein jeder lebe still bei sich daheim,
Dem Friedlichen gewährt man gern den Frieden.
Stauffacher: Meint ihr?
Tell: Die Schlange sticht nicht ungereizt.
Sie werden endlich doch von selbst ermüden,
Wenn sie die Lande ruhig bleiben sehn.
Ja, Tell glaubt zunächst, dass es sich auch unter fremden Vögten in Ruhe leben lässt, wenn diese in Ruhe gelassen werden. Doch später, als der Streit mit Gessler eskaliert, wird ihm sein Irrtum klar.
Zurück zur Gegenwart
Wie lange braucht’s, bis “Tell” sich besinnt?
Obwohl die Schweiz bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris eine Mission mit sieben Diplomaten unterhält, wurde sie von den Hochsteuerländern und Generalsekretär Angel Gurría hintergangen und ausgetrickts. Die Schweiz erfuhr zuerst aus der Presse, dass sie auf dem Entwurf für eine schwarze Liste «schädlicher» Steueroasen fungiert. Einsicht nehmen konnte sie nicht etwa, weil das OECD-Generalsekretariat eine Kopie zugestellt hätte: Eine der Eidgenossenschaft wohl gesonnene Regierung der G-20 spielte ihr das Dokument zu.
Und doch sticht die Schlange ungereizt
den noch ach so folgsamen Tell. Der Gesslerhut ist aufgestellt.
Steinbrück in der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens am 14.3.09.
Der Beitrag wurde
am Dienstag, den 17. März 2009 um 17:13 Uhr veröffentlicht
und wurde unter So nicht! abgelegt.
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