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6. Juni 2008 die Börsenfrau
Warren Buffetts Ansichten zum Risiko beim Kauf einer Aktie, zur Diversifizierung eines Investmentportfolios und zur Markteffizienz stehen im Gegensatz zur Modernen Portfoliotheorie. Lesen Sie dazu in Teil I über Risiko und Volatilität als Chance. In Teil II werfen wir einen Blick auf seinen Standpunkt zum Fokus-Investing, also einem konzentrierten Investmentportfolio.
Diversifizierung nach der Modernen Portfoliotheorie
Die Moderne Portfoliotheorie geht davon aus, dass man das Risiko im Portfolio minimieren kann, wenn man in Aktien möglichst vieler unterschiedlicher Unternehmen investiert. Auf Grund von Wahrscheinlichkeiten werden sich in einem breit gestreuten Portfolio die Kursschwankungen einzelner Aktien ausgleichen.
Diversifizierung als Schutz vor Unwissenheit
Dazu meint Warren Buffett:
„Diversifizierung dient als Schutz vor Unwissenheit“.
Denn: bis zu einem gewissen Grad schützt ein breit gestreutes Portfolio Anleger mit begrenztem Wissen. Dieser Schutz hat aber auch seinen Preis in der Mittelmäßigkeit. Und so Warren Buffett:
„Die Moderne Portfoliotheorie lehrt einen, mittelmäßig zu sein. Meiner Meinung nach versteht sich jedoch schon fast jeder Fünftklässler aufs Mittelmaß.“
Fokus-Investing – das konzentrierte Portfolio
In einem konzentrierten Portfolio dagegen hält ein Anleger nur wenige Werte. Diese Werte werden sorgfältig ausgewählt und bewertet. Auf Grund der Konzentration unterliegt ein solches Portfolio naturgemäß höheren Schwankungen.
Worin liegt nun aber der Erfolg eines konzentrierten Portfolios und für wen eignet sich ein solch konzentriertes Portfolio?
Der Erfolg hängt vom Verständnis ab
Der Erfolg eines konzentrierten Portfolios hängt vor allem davon ab, wie fähig der Anleger ist, den Wert des Geschäftes zu identifizieren, das Geschäft einzuschätzen und das Unternehmen zu bewerten. Das tiefe Verständnis, das sich ein Anleger über ein Unternehmen erarbeitet hat und die Kenntnis vom Wert des Unternehmens ermöglichen ihm eine kalkulierbare Einschätzung des Risikos.
Der Erfolg hängt von der emotionalen Stärke ab
Weiter muss der Anleger emotional fähig sein, höhere Schwankungen im Portfolio zu akzeptieren. Er muss Volatilität als Chance begreifen. Nicht das Sentiment des Marktes, also Mr. Markets Launen, veranlassen ihn zu handeln, sondern die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.
Die Herausforderung
Die Herausforderung für einen Fokus-Investor besteht darin, dass er erkennt, wann er kaufen und wann er verkaufen muss.
Bekannte Fokus-Investoren
Unter den Vertretern eines konzentrierten Portfolios finden sich Superinvestoren, wie Phil Fisher, Warren Buffett, Charlie Munger, Lou Simpson, Seth Klarman, Bill Ruane, Eddie Lampert, Joel Greenblatt, Bruce Berkowitz. Sehr stark konzentriert Joel Greenblatt. Bei ihm können 5 bis 8 Werte allein 80% seines Portfolios ausmachen.
Charlie Munger, der extremste Fokus-Investor
Doch Charlie Munger ist derjenige, der Fokus-Investing wohl am deutlichsten betreibt. Sein Portfolio kann durchaus nur drei Werte umfassen. In der Rede Warren Buffetts „Die Superinvestoren von Graham-und-Doddsville“ können Sie seine jährlichen Ergebnisse von 1962 bis 1975 unter Tab. 5 nachlesen.
Warren Buffett: „Ich traf ihn [Anm. Die Börsenfrau: Charlie Munger] zufällig um 1960 und meinte ihm gegenüber, dass die Juristerei als Hobby gut wäre, aber es gäbe etwas Besseres für ihn. So gründete er eine Beteiligungsgesellschaft, die völlig anders als Walters war. Sein Portfolio konzentrierte sich auf wenige Wertpapiere. Und so waren seine Ergebnisse auch unbeständiger. Doch er war bereit, ausgeprägte Hochs und Tiefs in der Performance zu akzeptieren. Er war jemand, dessen gesamter Charakter nach Konzentration verlangte, so wie die aufgezeigten Ergebnisse.“
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11. Januar 2008 die Börsenfrau
Warren Buffetts Ansichten zum Risiko beim Kauf einer Aktie, zur Diversifizierung eines Investmentportfolios und zur Markteffizienz stehen der Modernen Portfoliotheorie diametral entgegen.
Risiko beim Kauf einer Aktie
Nach der Definition der Modernen Portfoliotheorie lässt sich das Risiko einer Aktie anhand von Kursschwankungen erkennen. Schwankt der Aktienkurs innerhalb einer geringeren Breite, wird die Anlage als weniger riskant eingestuft. Je höher jedoch die Schwankung innerhalb der Bandbreite ist, desto riskanter wird die Anlage eingeschätzt.
Risikoberechnung nach der Modernen Portfoliotheorie
Nach Henry Markowitz gilt als Messgröße für das Risiko die Standardabweichung. Diese Messgröße nannte Bill Sharpe Beta-Faktor. Mit dem Beta-Faktor wird demnach die Kursbewegung zwischen dem Gesamtmarkt und der einzelnen Aktie gemessen. So wird einer Aktie, deren Kursverlauf genau mit dem Markt übereinstimmt, ein Beta von 1,0 zugewiesen. Steigt oder fällt die Aktie doppelt so stark wie der Markt, dann beträgt ihr Beta 2,0. Nach dieser Theorie ist ein Portfolio mit einem Beta größer als 1,0 riskanter und mit einem Beta kleiner als 1,0 weniger riskant.
Warren Buffett definiert das Risiko anders
Warren Buffett definiert das Risiko völlig anders. Ein Rückgang der Aktienkurse mindert in seinen Augen das Risiko. Einen Rückgang der Aktienkurse betrachtet er sogar als Chance. Seine Aussage lautet ganz einfach: Wenn man einen Dollar für 60 Cent kauft, ist es riskanter als wenn man einen Dollar für 40 Cent kauft.
Das Risiko liegt in der Fehleinschätzung des inneren Werts
Das Risiko hängt nicht vom Kursverhalten der Aktien ab, sondern liegt in einer Fehleinschätzung des inneren Werts der Aktie.
Nehmen wir als Beispiel seinen Kauf von Washington Post-Aktien 1974. Den Wert des Unternehmens schätzte er damals auf ungefähr 400 Mio US$.
„Wir kauften die Washington Post Company 1974 bei einer Börsenkapitalisierung von 80 Mio US$. … Vertraut man dem Beta-Faktor und der Modernen Portfoliotheorie, wären wir ein größeres Risiko eingegangen, wenn wir die Aktien bei 40 anstatt bei 80 Mio US$ gekauft hätten, selbst wenn die Firma 400 Mio US$ wert war – bloß weil die Volatilität größer gewesen wäre. Das leuchtet mir beim besten Willen nicht ein.“
Das Risiko für ein Portfolio wird an der Nachsteuerrendite gemessen
Das tatsächliche Risiko für ein Portfolio besteht darin, dass die Nachsteuerrendite der Gesamtanlage nicht mindestens so viel Kaufkraft sichert wie zu Beginn – zuzüglich einer kleinen Verzinsung des ursprünglich eingesetzten Kapitals.
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