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Trommelwirbel: Nestlé tritt auf. Das Unternehmen holt sich das Geschäft … – nein nicht das von Cadbury – sondern das mit der Tiefkühlpizza.
Und darüber scheint Mr. Market gar nicht begeistert zu sein. Erwartet hat man Zukäufe. Allerdings mehr im Bereich der Functional Foods mit hohen Zuwachsraten. Jetzt ist es nur die schlichte Tiefkühlpizza. Nichtsdestoweniger handelt es sich auch hier um einen echten Wachstumsmarkt. Denn: Single-Haushalte und die Nachfrage nach einem schnell zubereiteten Gericht nehmen erheblich zu.
Positiv sieht den Pizza-Kauf Stefan Meyer, Leiter Aktienanalyse Schweiz UBS.
Das Schöne an Mr. Markets Enttäuschung ist jedoch der Rückgang des Aktienkurses. Wer noch nicht hat oder wer noch mehr will: der Einkauf ist wieder günstiger geworden. Da in unserer Reihe der Buffett’schen Unternehmensbetrachtung, Teil 1 und Teil 2, noch die Schätzung des Unternehmenswerts fehlt, hole ich das jetzt am besten nach.
Warren Buffett versteht unter dem Unternehmenswert (intrinsic value) den
Barwert des Geldes, das man einem Unternehmen während der verbleibenden Zeit seines Bestehens entnehmen kann.
Die Berechnung dieses Barwerts hängt von der Schätzung der zukünftigen Cashflows bzw. Owner Earnings und der Entwicklung der Zinssätze ab. Die Grundlage hierfür lieferte ihn John Burr Williams in seinem 1938 veröffentlichen Buch “The Theorie of Investment Value“. Für Warren Buffett die beste Berechnungsmethode des Unternehmenswerts:
Der Wert eines Unternehmens entspricht der Summe der um einen angemessenen Zinsatz diskontierten Nettocashflows (Owner Earnings), die über den Lebenszyklus des Unternehmens erwartet werden.
Und weil die Schätzung zukünftiger Geldströme unsicher ist und je unvorhersehbarer, umso unsicherer, investiert Warren Buffett vornehmlich in Unternehmen, deren zukünftige Gewinne vorhersehbar und sicher wie die Erträge von Rentenpapieren sind. Eben Unternehmen, wie Nestlé, das eine langjährige stabile Wachstumsgeschichte aufweisen kann.
Als angemessenen Zinssatz sieht Warren Buffet die aktuelle Rendite langfristiger US-Staatsanleihen. Allerdings passt Buffett den Diskontierungssatz bis auf 10% nach oben an, wenn die Anleiherenditen unter 7% fallen. (Robert G. Hagstrom, Buffettissimo. Die 12 Erfolgsprinzipien für die Börse von heute.)
Wichtig: Zur Berechnung des Geldstroms zieht Warren Buffett die Owner Earnings dem Free Cashflow (Operativer Cashflow minus Investitionsausgaben) vor.
| Owner Earnings |
|---|
| Nettogewinn |
| + Abschreibungen und andere zahlungsunwirksame Abzüge |
| - durchschnittliche Kosten der Investitionsausgaben |
| = Owner Earnings |
Entsprechend den obigen Ausführungen brauchen wir zur Berechnung:
Die Owner Earnings sind in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt rund 14% gewachsen. Diese Wachstumsrate nehmen wir, um die Summe der Owner Earnings über die nächsten zehn Jahre zu schätzen und ab dem elften Jahr nehmen wir als Terminal Value 3%. Den errechneten zukünftigen Wert diskontieren wir mit 9%. Für Fehleinschätzungen kalkulieren wir eine Sicherheitsmarge von 25% ein.
Als Ergebnis erhalten wir einen geschätzten Kaufpreis von etwas über 50 CHF je Aktie. Auch wenn wir den Geldstrom mit nur 12% jährlich wachsen sehen, wäre ein Preis um 50 CHF je Aktie noch immer akzeptabel.
So in etwa also könnten Warren Buffetts Überlegungen zu Nestlé gewesen sein.
Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte: Nestlé-Aktien werden zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von der Börsenfrau gehalten.
Der Beitrag wurde
am Donnerstag, den 7. Januar 2010 um 01:31 Uhr veröffentlicht
und wurde unter Nestlé, Value Investing abgelegt.
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Liebe Börsenfrau,
ich verfolge immer sehr aufmerksam Ihre Beiträge, bisher konnte ich fast alle Ihre Analysen nachvollziehen, aber dem Teil 3 der Nestle-Analyse (Buffetts Ower Earnings) kann ich leider nicht folgen.
Liebe Börsenfrau, könnten Sie bitte anhand der Zahlen – Nestle Geschäftsbericht – vorrechnen, wie man die Ower Earnings berechnet und wie man letztendlich zum geschätzten Kaufpreis von etwas über 50 CHF je Aktie kommt?
Die Buch Empfehlung Buffettismo mag ja den Rechenweg enthalten, aber leider ist das Buch vergriffen und nur noch zum Mondpreis von 147,00 € zu bekommen und dafür bekommt man locker schon ein paar Nestle Aktien. Wenn Buffett zwischen Buch und Aktien wählen müßte, wofür würde er sich wohl entscheiden?
Liebe Börsenfrau, ich danke Ihnen für Ihre ausgezeichnete Webseite diese hat mich schon vor vielen Fehlinvestitionen in der Vergangenheit bewahrt. Bitte fahren Sie mit Ihrer erfolgreichen Arbeit fort!
Es grüßt herzlichst,
Martina M. aus Köln
Martina
Hallo Martina,
Ihr schönes Feedback habe ich gerne gelesen. Vielen Dank! Und vor allem freut mich, dass Sie von der Webseite profitieren.
Die “Owner Earnings” anhand von Nestlé erkläre ich gerne noch ausführlicher in einem Extra-Beitrag. Ein Tipp: Wenn Sie sich tiefer in die Anlagephilosophie Warren Buffetts einarbeiten möchten, dann sollten Sie die Shareholder Letters seiner Holding Berkshire Hathaway
http://www.berkshirehathaway.com/
lesen.
Für den Anfang tut es aber erst einmal sein Owner’s Manual http://www.berkshirehathaway.com/ownman.pdf
Einen herzlichen Gruss nach Köln
die Börsenfrau