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Mario Wolff

Mario Wolff ist Privatanleger, der seit über 10 Jahren nach der Anlagephilosophie des Value Investing anlegt. Er ist Inhaber der Internetseite Valueinvesting.de , einem deutschsprachigen Portal für das wertorientierte Investieren. Darüber hinaus verfolgt er in seinem Weblog Graham-und-Doddsville die Ideen, Ansichten und Transaktionen der Superinvestoren unserer Zeit.

Interview vom 16. Juli 2007

Die Börsenfrau: Herr Wolff, Sie haben sich seit Jahren der Anlagephilosophie Value Investing verschrieben. Was ist das Besondere an Value Investing?

Mario Wolff: Value Investing ermöglicht gerade dem privaten Anleger, den Vermögensaufbau selbst in die Hand zu nehmen. Dabei muss er sich nicht ständig mit den Geschehnissen an der Börse beschäftigen. Value Investing ist zeitlos.

Die Börsenfrau: Das heißt also, man müsste nicht täglich die Aktienkurse verfolgen?

Mario Wolff: Genau. Sie müssen lediglich die geschäftliche Entwicklung Ihrer Unternehmen verfolgen.

Die Börsenfrau: Ist eine Anlagephilosophie wie Value Investing für Frauen geeignet?

Mario Wolff: Value Investing ist für jeden Anleger - unabhängig vom Geschlecht - geeignet, der auf der Suche nach einer nachvollziehbaren, auf Daten und Fakten basierenden Anlagestrategie ist. Und der sich nicht vom aktuellen Tagesgeschehen und von den Medien favorisierten Themen beeinflussen lässt.

Die Börsenfrau: Wie erfolgreich ist Value Investing?

Mario Wolff: Value Investing hat in der Vergangenheit nachweislich die höchsten Renditen erzielt und es gibt keine Anhaltspunkte, dass sich daran etwas in der Zukunft ändert.

Die Börsenfrau: Nach welchen Merkmalen suchen Sie Aktien aus?

Mario Wolff: Ich bevorzuge Aktien von Unternehmen mit herausragenden wirtschaftlichen Eigenschaften. Diese Unternehmen weisen als gemeinsames Merkmal auf, dass sie dauerhaft hohe Renditen auf das eingesetzte Kapital erwirtschaften, dass sie über gesunde Bilanzen verfügen, dass sie möglichst kein Fremdkapital benötigen, mit geringen Investitionen auskommen und hohe Überschüsse an freien Barmitteln erwirtschaften.

Die Börsenfrau: Worauf legen Sie besonderen Wert, wenn Sie sich für eine Aktie entscheiden?

Mario Wolff: Ich habe ein persönliches Faible an Unternehmen, die einen deutlichen Anteil ihres Gewinns in Form einer Dividende ausschütten.

Die Börsenfrau: Könnten Sie uns ein Beispiel nennen?

Mario Wolff: Ja, ein gutes Beispiel ist ein ungarischer Hersteller von Spirituosen, Zwack Unicum. Zwack Unicum produziert und vertreibt Markenprodukte, u.a. auch den Kräuterlikör Unicum, der schon als Nationalgetränk bezeichnet werden kann. Aufgrund der Markenstrategie ist das Unternehmen äußerst profitabel und schüttet etwa 60% des Gewinns an die Aktionäre aus. Auch alle Merkmale, die ich oben erwähnt habe, werden von dem Unternehmen erfüllt. Die Firma ist völlig schuldenfrei. 70% der Bilanz besteht aus Eigenkapital. Im Durchschnitt werden nur ein Drittel des Freien Cashflows als Sachinvestition benötigt. Die Eigenkapitalrendite liegt bei 25%. Die Umsatzrendite liegt komfortabel im zweistelligen Bereich.

Die Börsenfrau: Was raten Sie Anlegerinnen, die sich in die Methode des Value Investing einarbeiten möchten?

Mario Wolff: Wichtig ist vor allem Lesen. Besorgen Sie sich deshalb ein Buch zum Thema. Als Beispiel empfehle ich "Warren Buffett - Sein Weg, Seine Methode, Seine Strategie" von Robert Hagstrom. Als nächsten Schritt sollten Sie das so gewonnene Wissen auf ein Unternehmen Ihrer Wahl anwenden. Und am Anfang nur einen geringen Teil der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel real investieren.

Die Börsenfrau: Welchen Zeithorizont sollte eine Anlegerin einplanen?

Mario Wolff: Meine persönliche Haltedauer liegt aktuell bei 4 bis 5 Jahren. Ein solcher Zeitraum sollte auch als Mindestzeitraum für eine Anlage eingeplant werden. Das ideale Investment kann sogar ein Leben lang gehalten werden.

Die Börsenfrau: Herr Wolff, ich bedanke mich für das Gespräch und für die wertvollen Einblicke in Ihre Anlagephilosophie.

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